Was ist Vibe Coding?
Vibe Coding ist der neue Begriff für: Du beschreibst was du willst, die KI schreibt den Code.
"Erstelle einen Login-Screen mit E-Mail und Passwort, Material Design, mit Error-Handling für falsche Credentials und einem Forgot-Password Link"
→ Funktionierender Code in Sekunden.
Warum "Vibe"?
Weil es sich anfühlt wie Vibes übertragen statt Code schreiben. Du beschreibst die Stimmung, das Ergebnis, das Feeling - die KI übersetzt in Code.
Ist das neu?
Ja und nein. Die Idee ist alt ("Programmieren in natürlicher Sprache"). Was neu ist: Es funktioniert tatsächlich. Gut genug für echte Projekte.
Wer nutzt es?
- Entwickler für schnellere Iteration
- Designer die Prototypen bauen wollen
- Produktmanager für schnelle Validierung
- Nicht-Techniker die "mal eben was bauen" wollen
Die Wahrheit:
Vibe Coding ist kein Ersatz für echtes Programmieren. Es ist ein neues Werkzeug im Toolkit. Gut für schnelle Prototypen und bekannte Patterns. Weniger gut für komplexe Systeme und Edge Cases.
Die Tools für Vibe Coding
Welche Tools ermöglichen Vibe Coding?
Für Web Apps:
- v0 (Vercel) - React/Next.js Komponenten aus Beschreibungen
- Bolt.new - Volle Webapps aus Prompts
- Lovable - App-Builder mit AI
Für Mobile:
- Buzzy - Mobile Apps aus Beschreibungen
- Builder.ai - Low-Code mit AI
Für Code-Generierung allgemein:
- Claude Code - Für Entwickler, Terminal-basiert
- Cursor - IDE mit AI
- Replit Agent - Online IDE mit AI
Die Unterschiede:
- v0/Bolt/Lovable: Für Nicht-Entwickler, visueller Output
- Claude Code/Cursor: Für Entwickler, mehr Kontrolle
Unser Favorit für Vibe Coding:
v0 für schnelle UI-Prototypen. Beschreibst eine Komponente, kriegst funktionierenden React-Code. Copy-paste ins Projekt. Fertig.
Was alle gemeinsam haben:
- Natürlichsprachige Eingabe
- Sofortiger Output
- Iteration durch Feedback
- Export-Möglichkeit
Vibe Coding in der Praxis
Wie nutzen wir Vibe Coding bei datadice?
Use Case 1: Schnelle Prototypen
Kunde beschreibt ein Feature. Wir bauen in 30 Minuten einen visuellen Prototyp. Statt Mockups diskutieren wir am funktionierenden Code.
Prompt: "Baue ein Dashboard mit 4 KPI-Karten oben, einer Linien-Chart in der Mitte, und einer Tabelle mit den letzten Bestellungen unten. Nutze Tailwind und shadcn/ui."
Ergebnis: Funktionierendes UI in 2 Minuten.
Use Case 2: Boilerplate generieren
Statt CRUD-Routes manuell zu schreiben, beschreiben wir das Schema.
"Erstelle API-Routes für User-Management: GET/POST/PUT/DELETE, mit Prisma für die Datenbankoperationen, Zod für Validierung, und NextAuth für Authentication."
Use Case 3: Komponenten-Varianten
Wir haben eine Basiskomponente, brauchen aber Varianten.
"Hier ist unsere Button-Komponente. Erstelle Varianten für: Primary, Secondary, Ghost, Danger. Mit entsprechenden Hover-States und Focus-Rings."
Die Grenzen:
- Komplexe Business-Logik: Vibe Coding reicht nicht
- Bestehender Code verstehen: Besser manuell
- Performance-kritische Teile: Mehr Kontrolle nötig
Die Risiken von Vibe Coding
Vibe Coding ist mächtig. Aber mit Macht kommt Verantwortung.
Risiko 1: Copy-Paste ohne Verständnis
Du nimmst Code den du nicht verstehst. Er hat einen Bug. Du findest ihn nicht weil du den Code nicht verstehst.
Lösung: Immer reviewen. Wenn du es nicht erklären kannst, nachfragen.
Risiko 2: Security-Lücken
KI-generierter Code kann Security-Probleme haben. SQL Injection, XSS, fehlende Validierung.
Lösung: Security-Review für alles was in Production geht. Linting-Tools nutzen.
Risiko 3: Technische Schulden
Schnell generierter Code ist nicht immer sauberer Code. Duplikation, schlechte Struktur, fehlende Tests.
Lösung: Refactoring einplanen. Code nicht direkt in Production.
Risiko 4: Überschätzung
"Wenn KI den Code schreibt, brauche ich kein Wissen mehr." Falsch. Du brauchst anderes Wissen.
Lösung: Fundamente verstehen. Architektur, Patterns, Debugging.
Die goldene Regel:
Nutze Vibe Coding für den ersten Entwurf. Aber behandle jeden Output wie einen Pull Request von einem Junior-Entwickler: Reviewen, fragen, verbessern.
Vibe Coding lernen
Wie wirst du gut im Vibe Coding?
Schritt 1: Die Tools kennenlernen
Probiere alle relevanten Tools aus. 30 Minuten pro Tool reichen für einen ersten Eindruck.
- v0.dev
- Bolt.new
- Claude Code
Schritt 2: Prompting lernen
Gute Prompts = Gute Ergebnisse. Schlüssel-Elemente:
- Kontext geben (was ist das Projekt)
- Spezifisch sein (nicht "mach eine Seite" sondern "mach eine Landing Page mit...")
- Constraints nennen (welche Technologie, welche Patterns)
- Beispiele referenzieren ("wie auf Stripe.com")
Schritt 3: Iterieren üben
Der erste Output ist selten perfekt. Übe Feedback zu geben:
- "Der Button sollte größer sein"
- "Füge Error-States hinzu"
- "Nutze statt Colors die aus unserem Theme"
Schritt 4: Grenzen verstehen
Lerne wann Vibe Coding nicht der richtige Ansatz ist. Erkennst du wenn du besser manuell arbeiten solltest?
Schritt 5: Integration
Wie passt Vibe Coding in deinen Workflow? Wann nutzt du es, wann nicht?
Übungsaufgabe:
Nimm eine bestehende Seite die du kennst. Beschreibe sie in natürlicher Sprache. Lass sie von v0 oder Bolt generieren. Vergleiche mit dem Original.
Die Zukunft von Vibe Coding
Wo geht die Reise hin?
2027: Bessere Kontextverständnis
Die Tools werden dein gesamtes Projekt verstehen, nicht nur einzelne Prompts. "Füge eine neue Seite hinzu die zu unserem Style passt" - und es funktioniert.
2028: Weniger Copy-Paste
Direkte Integration in IDEs und Workflows. Kein manuelles Übertragen mehr.
2029+: Design-to-Code wird Standard
Designer in Figma, direkte Übersetzung in Code. Oder andersrum: Code-to-Design für Dokumentation.
Was bleibt:
- Die Notwendigkeit Code zu verstehen
- Security-Verantwortung
- Architektur-Entscheidungen
- Debugging
Was sich ändert:
- Der Einstieg wird niedriger
- Mehr Leute können "coden"
- Die Definition von "Entwickler" erweitert sich
Unsere Prognose:
In 5 Jahren ist Vibe Coding kein eigener Begriff mehr. Es ist einfach wie man arbeitet. Die Frage "Wie erstelle ich X" wird immer mit "Beschreibe es" beantwortet.
Für Entwickler:
Umarmt es. Seid die Experten die wissen wie man es richtig nutzt. Euer Wert liegt nicht im Tippen, sondern im Verstehen.